Projektmanagement im Maschinen- und Anlagenbau

Kurzbewertung:

Das Buch von Roland Gareis ist ein wahrer Klassiker. Fast 20 Jahre steht das österreichische Werk bereits in den Universitätsbibliotheken der Republik und auch nur hier kann man es noch bekommen, da derzeit weder Amazon (siehe Verweis linke Hand) noch Google-Books den Titel führen. Im Vorwort des Autors heißt es zur Entstehung des Handbuchs: “Ich wurde im März 1990 vom Fachverband der Maschinen- und Stahlbauindustrie Österreichs der Bundeswirtschaftskammer mit der Neubearbeitung des von mir 1984 für den Fachverband erstellten Buchs >> Wie erstellt man ein Organisationshandbuch zum Projektmanagement im Anlagenbau? << beauftragt." Herausgekommen sind rund 300 Seiten PM-Hausmannskost welche in größten Teilen durchaus als zeitlos angesehen werden kann.

Zum Inhalt


Der erste Teil des Buchs mit der Überschrift Management von Projekten enthält sechs Kapitel voll gefüllt mit theoretischen Grundlagen in denen z.B. folgende Schwerpunkte beleuchtet werden: Projektdefinition, Nutzen von PM, Projektentscheidung, Projektauftrag, Projektabgrenzung, Projektkontextanalyse, Projektplanung (Struktur, Termine, Kosten, Ressourcen, Risiken), Projektcontrolling (Termine, Kosten, Abweichungstrends), Exkurs Qualitätsmanagement, Projektorganisation (Rollen, Kompetenzen, Aufgabenverteilung, Vertragsmanagement, Personalmanagement, Kommunikation sowie Werte und Regeln).
Im zweiten Teil (Management projektorientierter Unternehmen) wird das von GAREIS eingeführte Paradigma “Management by Projects” beschrieben, welches die Projektorientierung als eine “neue” Organisationsform von Unternehmen erklärt. Als Herausforderungen die es damit zu bewältigen gilt werden u.a.: “Dynamische Märkte, Entwicklungen der ökologischen Umwelt, Wertewandel (Dezentralisierung, Partizipation, Selbstverwirklichung), Technische Entwicklungen (Automation, neue Informations- und Kommunikationssysteme) sowie wachsende Komplexität” genannt. Der Begriff “Projektnetzwerke” wird als Evolutionsstufe zwischen Projekten und Unternehmensorganisation eingeführt und entspricht in etwa dem heutigen Verständnis von Multiprojektmanagement. Aus heutiger Sicht sind die Informationen in diesem Buchabschnitt komplett kalter Kaffee. Die Projektorientierung wird seit Jahren gelebt, die entsprechenden Werkzeuge der IT helfen dabei, die anfangs der 90er Jahre noch vage formulierten Ziele, heute mit aller Selbstverständlichkeit in die Tat umzusetzen.

Teil drei bringt den Praxisbezug ins Buch und zeigt einige Anwendungsbeispiele. Die beschriebenen Fälle und Methoden sind deutlich angestaubt, aber das geübte Auge (Lesebrille z.T. erforderlich) wird auch mit den sternförmigen Mindmap-Vorläufern und Projektstrukturplänen etwas anfangen können. Geradezu witzig wirkt zum Abschluss das Fallbeispiel “Hochzeit des Geschäftsführers” und das dazugehörige Foto im 80er Jahre Charme.

Stil


Der Stil des Buches ist auf den ersten Blick etwas ungewohnt. Unter den Überschriften folgt meist ein erklärender, einleitender Satz, wiederum gefolgt von mehreren Anstrichen, in denen jeweils ein Gedanke zusammengefasst wird. Dass pro Anstrich zum Teil mehrere ausformulierte Sätze folgen und in anderen Kapiteln nur Stichpunkte und Fakten wirkt über das gesamte Buch etwas inkonsistent. Da es sich weniger um eine wissenschaftliche sondern mehr um eine praxisbezogene Arbeit handelt, gibt es Pluspunkte für Lesbarkeit und Verständlichkeit.

Fazit


Im Kontext des Branchenfokus auf Maschinen- und Anlagenbau und der Aktualität reicht es nur für eine zwei-Sterne-Wertung. Die theoretischen Grundlagen kann der interessierte Maschinenbauer in allerlei aktuelleren Lektüren nachlesen. Die Fallbeispiele / Fallstudien wirken zu altbacken und bringen wenig Wissenszuwachs. Positiv hervor zu heben sind die diversen Checklisten in den Anhängen der einzelnen Kapitel.


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