Projektmanagement für technische Projekte


Kurzbewertung:
ISBN: 978-3-8348-0724-3

Wer ab und an im Fachmagazin der GPM (PM aktuell) blättert , der findet diese tollen Checklisten zum Heraustrennen und Sammeln. Der inhaltliche Ursprung lässt sich in dem Werk von Roland Felkai und Arndt Beiderwieden “Projektmanagement für technische Projekte – Ein prozessorientierter Leitfaden für die Praxis” finden. Im Vorwort heißt es: “Das Buch wendet sich an alle Führungskräfte und Projektmitarbeiter in technischen Projekten, insbesondere an Ingenieure. Es dient ebenso der beruflichen Vorbereitung für Studenten der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sowie für Studenten der Physik.”


Inhalt


Das reichlich 300 Seiten starke Werk ist in zwei Hauptteile gegliedert: Teil 1 – Schritt für Schritt durch das Projekt und Teil 2 – Unterstützende Management-Techniken. Im ersten Hauptteil gehen die Autoren zunächst auf den Begriff “Projekt” ein. Die zuletzt heiß geführte Diskussion über die Begriffsdefinition von “Projekt” wird hier, ausgehend von der Def. der DIN, auf 11 spezifische Projektmerkmale kondensiert. Weiter geht es mit der Beschreibung von Projektphasen – vom allgemeinen Phasenmodell nach DIN zu Projektphasen technischer Projekte, inklusive der zu erwartenden Ergebnisse. (z.B. nach der Angebotsphase sollte eine detaillierte Durchführbarkeitsanalyse fertiggestellt worden sein). Nach der Beleuchtung der Projektphasen gehen die Autoren näher auf die Prozesse ein, sowohl nach DIN als auch nach PRINCE2. Interessant sind auch die Ausführungen zur Installation eines Berichtswesens (Protokolle, Berichte), insbesondere die Einführung von Aktionslisten (jedes Todo erhält eine laufende Nummer) und das entsprechende Dokumentationssystem. Am Ende jedes Kapitels wird das behandelte Wissensgebiet anhand des fiktiven Projekts “NAFAB” erläutert. Einige Leser werden dieses Exerzieren am Beispielprojekt sicher hilfreich finden, andere werden sich daran nicht lange aufhalten und schnell eine Seite weiter blättern.

Das zweite Kapitel trägt die Überschrift “Analysieren und Formulieren von Projektzielen”. Unter anderem wird hier auf den Unterschied zw. Lasten- und Pflichtenheft sowie den angelsächsischen Begriffen “specification” (technische Anforderungen) und “statement of work” (Leistungsbeschreibung) eingegangen. Sehr interessant sind die Ebenen der technischen Anforderungen (Systemanforderungen, Subsystem~, Geräte~, Komponenten~, Einzelteil~, Schnittstellen~), untersetzt mit einem Beispiel-Katalog (S.55 ff).
Kapitel 3 (“Analysieren der Durchführbarkeit”) beschreibt vier Teilanalysen (1) technisch im vorgegebenen Zeitrahmen machbar (2) rentabel und finanzierbar (3) Risiken und Chancen und (4) Interessen von Stakeholdern. Ein kurzer BWL-Exkurs erklärt Rentabilität, Liquidität, ROI und Liqui-Plan. Es folgt eine genaue Beschreibung von Risikoarten (technische Risiken, Lagerung & Transport, Planungsrisiken, Vertragliche ~, Kaufmännische ~, Personelle ~, Politik und Umwelt ~).
Kapitel 4 (Bilden eines Teams) empfiehlt eine Trennung zwischen Angebotsteam und Projektteam. Die Projektrollen sind sehr differenziert, es fehlt allerdings das PMO. Kapitel 5 (Erstellen eines Angebots) erläutert die Definition und den Aufbau eines Angebots. Hier ist der Leser ganz klar in der Welt eines Konzerns angelangt, da im KMU-Bereich selten derart detaillierte Angebotsunterlagen erstellt werden. Dennoch werden wichtige Themen wie Berichtswesen, Dokumentenmanagement, QM, Konfigurationsmanagement, Änderungs~ und Nachforderungsmanagement (Claims-Management) erörtert.
Die weiteren Kapitel “Entwickeln eines technischen Lösungskonzepts” (6), “Erstellen eines Entwicklungskonzepts” (7), “Erstellen eines Verifikationskonzepts” (8), “Planen des gesamten Projekts” (9), “Verhandeln und Abschließen des Vertrags” (10), “Managen der Realisierung” (11) und “Abschließen des Projekts” (12) enthalten viel Grundlagen- und Methodenwissen zu den entsprechenden Themen. Mein Lieblings-Zitat lautet: “Das Projektmanagement sollte die Projektplanung niemals am grünen Tisch entwickeln, sondern stets die betreffenden Projektmitarbeiter in Planungsentscheidungen einbeziehen.” (S. 189)

Teil 2 des Buchs gibt noch ein paar (mehr oder weniger nutzbare) Extrakte aus diversen Management-Ratgebern (Leiten von Besprechungen, Führen und Motivieren von Mitarbeitern sowie Informieren und Überzeugen durch Präsentationen)

Stil


Das Buch ist einfach lesbar und für Praktiker gedacht. Fußnoten und Quellenverweise werden auf das aller nötigste beschränkt. Am Ende jeden Kapitels werden praktische Werkzeuge und Checklisten im Stil von Kopiervorlagen dargestellt – wer schnell ein paar Anregungen zu einem bestimmten Gebiet sucht, ist hier genau richtig. Durch die sehr gute Strukturierung findet man sich jederzeit im Buch zurecht.

Fazit


Projektmanagement für technische Projekte” ist tatsächlich ein Leitfaden für die Praxis und bringt durch die knackigen Zusammenfassungen am Ende jeden Kapitels schnell Mehrwert. Je kleiner jedoch die Projekte und Organisation des Lesers, desto weniger relevant werden einige Inhalte des Buches sein. Der mittelständige Projektleiter wird daher viele Werkzeuge als unnötig und über-bürokratisch empfinden – einige Passagen sind nur auf Konzern-Ebene wirklich zu gebrauchen.
Für alle Fans von Checklisten ist dieses Buch aus den o.g. Gründen besonders empfehlenswert. Einige der Checklisten sind allerdings nur bedingt hilfreich, wenn z.B. Fragen wie “Sind alle übergreifenden Projektziele erfasst?” oder “Liegen alle Anforderungen hinsichtlich… vor?” oder “Ist Risiko XYZ begrenzt?” enthalten sind. Was, wenn eine Anforderung vergessen wurde? Wie sicher ist sicher? Wie ist ein Risiko begrenzbar?

Unter dem Strich ist das Buch sein Geld auf jeden Fall wert und kann sowohl Anfängern als auch Profis empfohlen werden! Ein Hoch auf die Check-Listen!

Ein Gedanke zu „Projektmanagement für technische Projekte

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