Kategorie-Archiv: Buchvorstellungen

Projektmanagement im Anlagenbau

Kurzbewertung: ISBN: 978-3-8167-7616-1

Zum Inhalt

Der Inhalt des Buches ist schnell beschrieben. Es handelt sich um eine Zusammenfassung von 5 Vorträgen im Rahmen des 8. Industriearbeitskreises “Kooperation Anlagenbau”. Die Themen der Vorträge lauten:

1. Projektmanagement beim Site Engineering BASF Ludwigshafen (Dr. Dieter Traub)
2. Project Management & Controlling – Herausforderungen, Chancen, Möglichkeiten (Udo Ramin)
3. Internationales Projektmanagement aus Sicht des Bauherren-Engineering (Dr.Wilfried Kopp)
4. Herausforderungen im Projektmanagement beim industriellen Anlagenbau in den nächsten Jahren (Gerald Taraba)
5. Internationale Tendenzen im Projektmanagement – notwendige Kompetenzen und deren praxisrelevanter Erwerb (Prof. Dr. Steffen Rößler)

Stil

Das Buch besteht größtenteils aus Screenshots von Powerpoint-Folien (zwei Slides pro Seite). Ein Kurzprofil je Autor und einige einleitende Sätze zum jeweiligen Vortrag runden das etwa 100 Seiten zählende Druckerzeugnis ab. Einige Folien sind aufgrund der Verkleinerung kaum lesbar.

Fazit

Die abgedruckten Vorträge bieten ohne die entsprechende Tonspur so gut wie keinen sinnvollen Informationsgehalt. Neben firmenspezifischen Lösungsbeschreibungen, einer Hand voll magische Dreiecke und einer Brise Microsoft Werbung bleibt nicht viel Greifbares. Unklar ist, warum diese Sammlung überhaupt abgedruckt wurde und ihren Weg ins Amazon-Lager gefunden hat. Wollte einfach jemand seine Publikationsliste verlängern? Absolute Zeit- und Geldverschwendung!

Standardisierung der Projektabwicklung im kundenspezifischen Maschinen- und Anlagenbau


Im heutigen Review möchte ich die Dissertation von Ulf Wagner näher vorstellen, die sich mit der Standardisierung der Projektabwicklung im kundenspezifischen Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt. Im Laufe der Arbeit wird ein Referenzmodell entwickelt, mit dem Prozesse und Informationsflüsse standardisiert und Hilfsmittel zu deren Unterstützung erstellt werden können. Weiterhin wird für die Einführung und Umsetzung des Referenzmodells in verschiedenen Unternehmen eine Handlungsempfehlung beschrieben. (Auszug Autorenreferat)

Kurzbewertung: 4 Sterne

Zum Inhalt


Im ersten Kapitel wird zunächst die Ausgangssituation beschrieben und es werden typische Probleme bei der Projektabwicklung genannt. Im folgenden Kapitel wird eine Abgrenzung des kundenspezifischen Maschinen- und Anlagenbaus vorgenommen und anhand der Definition des Begriffs “Projektabwicklung” auf verschiedene Vorgehensmodelle und Projektphasen eingegangen.
Im dritten Kapitel werden die Grundlagen zur Arbeit gelegt. Neben allerlei Begriffserklärungen / Definitionen (z.B. Lastenheft, Pflichtenheft, Angebots- und Vertragsunterlagen, Abnahmeprotokoll, Technische Dokumentation…) wird auch der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik dargelegt. Interessant ist der Blick über den Tellerand bei der Betrachtung von (20) weiteren Referenzprozessen (z.B. SCOR Modell oder ITIL). Als Grundlagen für das Referenzmodell werden: Standardisierung, Klassifizierung, Simultaneous Engineering, Requirements Engineering, Service Orientierte Architektur (SOA) und Kontinuierliche Verbesserung genannt.
In Kapitel 4 wird das entwickelte Referenzmodell, bestehend aus 6 Prozessen, beschrieben:

  • Referenzprozess 1: Angebots- und Vertragsphase Teil 1 – Analyse von Lastenheften
  • Referenzprozess 2: Angebots- und Vertragsphase Teil 2 – Angebotserstellung und Vertragsverhandlung
  • Referenzprozess 3: Entwicklung, Konstruktion und Arbeitsvorbereitung
  • Referenzprozess 4: Fertigung, Montage und Inbetriebnahme bei AN
  • Referenzprozess 5: Lieferung und Inbetriebnahme bei AG
  • Referenzprozess 6: Service und Gewährleistung (Instandsetzung, Wartung)

Als methodische Grundlage für die Erstellung des Referenzmodells wurden UML-Aktivitätsdiagramme gewählt. Im zweiten Schritt werden die Dokumente und Schnittstellen der Referenzprozesse beschrieben. Dokumente werden in Informationsbausteine strukturiert und der Informationsfluss zwischen Dokumenten wird grafisch dargestellt.
Im fünften Kapitel geht es um die Einführung und Umsetzung des Referenzmodells. Zu diesem Zweck werden ausführliche Handlungsempfehlungen ausgesprochen, beginnend bei der Situationsanalyse (in 31 Schritten) bis hin zur rechentechnischen Realisierung und dem Betrieb.
Kapitel 6 beschreibt den im Laufe der Arbeit erstellten Prototypen und enthält ein Fazit zur praktischen Verifizierung.

Stil


Der Stil entspricht natürlich dem einer wissenschaftlichen Arbeit. Nicht nur geübte Leser von wissenschaftlichen Publikationen werden angenehm überrascht über die eingängliche Art der Formulierungen sein. Klare, wenig verschachtelte Sätze, durchdachte Tabellen und grafische Elemente runden das positive Gesamtbild ab. Etwas schwieriger wird es bei der Interpretation der Prozesse und Diagramme. Wer noch nie UML-Aktivitätsdiagramme lesen musste, wird sich am Kern der Arbeit etwas länger aufhalten. Gleiches gilt für die Darstellung der Informationsbausteine und deren Verknüpfungen. Hier ist nicht nur Vorstellungskraft gefragt (die Vielzahl an Schraffierungen ist schwer unterscheidbar) sondern auch volle Sehstärke, da das Print-Exemplar leider nur im Taschenbuchformat verfügbar ist.

Fazit


Wagner hat sich für seine Dissertation kein geringeres Ziel gesetzt, als die “Weltformel” des Projektmanagements im Maschinen- und Anlagenbau zu finden. Er ist dabei nicht der erste [Vgl. M.Arndt, Modellierung eines semiformalen Referenz-Informationsmodells für das Projektmanagement in KMU, 2007, Diplomarbeit, Universität Osnabrück] und wird sicher nicht der letzte sein. Die vorgeschlagenen Prozesse (einfach und präzise) und Informationsflüsse stellen jedoch einen hervorragenden Ansatz dar und werden dem interessierten Leser ganz sicher wertvolle Inspirationen liefern.

Besonders interessant ist der Punkt “Simultaneous Engineering”, der als Art Parallelisierung oder zeitliche Überlappung von Arbeitsabläufen und Prozessen beschrieben wird. Dies kann z.B. eine parallele Datenübernahme und -umwandlung von Angaben aus dem Pflichtenheft in Abnahmeprotokolle sein. Während der Punkt “Requirements Engineering” noch nachvollziehbar über Dokumentation und Qualitätskriterien der Anforderungen informiert, driftet der Autor im Abschnitt SOA etwas (typisch für dieses Thema) ins alltägliche IT-Bla Bla ab – Schnittstellen zwischen einzelnen Programmen um Redundanzen / Fehlerquellen zu vermeiden gut und schön, aber in der Realität wird kaum ein KMU die nötigen Ressourcen und Fähigkeiten besitzen dieses Prinzip in die Tat umzusetzen. Auch die folgenden Ausführungen zu verfügbaren Softwarelösungen sind etwas zu oberflächlich geraten.

Die Dissertation ist in der wissenschaftlichen Schriftenreihe des Instituts für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme der Technischen Universität Chemnitz erschienen (Heft 85, ISSN 0947-2495) und kann unter folgendem LINK für einen Unkostenbeitrag von nur 10,- EUR als Print-Exemplar bestellt werden.

Unbedingte Kaufempfehlung, nicht nur aufgrund des günstigen Preises!

Projektmanagement im Maschinen- und Anlagenbau

Kurzbewertung:

Das Buch von Roland Gareis ist ein wahrer Klassiker. Fast 20 Jahre steht das österreichische Werk bereits in den Universitätsbibliotheken der Republik und auch nur hier kann man es noch bekommen, da derzeit weder Amazon (siehe Verweis linke Hand) noch Google-Books den Titel führen. Im Vorwort des Autors heißt es zur Entstehung des Handbuchs: “Ich wurde im März 1990 vom Fachverband der Maschinen- und Stahlbauindustrie Österreichs der Bundeswirtschaftskammer mit der Neubearbeitung des von mir 1984 für den Fachverband erstellten Buchs >> Wie erstellt man ein Organisationshandbuch zum Projektmanagement im Anlagenbau? << beauftragt." Herausgekommen sind rund 300 Seiten PM-Hausmannskost welche in größten Teilen durchaus als zeitlos angesehen werden kann.

Zum Inhalt


Der erste Teil des Buchs mit der Überschrift Management von Projekten enthält sechs Kapitel voll gefüllt mit theoretischen Grundlagen in denen z.B. folgende Schwerpunkte beleuchtet werden: Projektdefinition, Nutzen von PM, Projektentscheidung, Projektauftrag, Projektabgrenzung, Projektkontextanalyse, Projektplanung (Struktur, Termine, Kosten, Ressourcen, Risiken), Projektcontrolling (Termine, Kosten, Abweichungstrends), Exkurs Qualitätsmanagement, Projektorganisation (Rollen, Kompetenzen, Aufgabenverteilung, Vertragsmanagement, Personalmanagement, Kommunikation sowie Werte und Regeln).
Im zweiten Teil (Management projektorientierter Unternehmen) wird das von GAREIS eingeführte Paradigma “Management by Projects” beschrieben, welches die Projektorientierung als eine “neue” Organisationsform von Unternehmen erklärt. Als Herausforderungen die es damit zu bewältigen gilt werden u.a.: “Dynamische Märkte, Entwicklungen der ökologischen Umwelt, Wertewandel (Dezentralisierung, Partizipation, Selbstverwirklichung), Technische Entwicklungen (Automation, neue Informations- und Kommunikationssysteme) sowie wachsende Komplexität” genannt. Der Begriff “Projektnetzwerke” wird als Evolutionsstufe zwischen Projekten und Unternehmensorganisation eingeführt und entspricht in etwa dem heutigen Verständnis von Multiprojektmanagement. Aus heutiger Sicht sind die Informationen in diesem Buchabschnitt komplett kalter Kaffee. Die Projektorientierung wird seit Jahren gelebt, die entsprechenden Werkzeuge der IT helfen dabei, die anfangs der 90er Jahre noch vage formulierten Ziele, heute mit aller Selbstverständlichkeit in die Tat umzusetzen.

Teil drei bringt den Praxisbezug ins Buch und zeigt einige Anwendungsbeispiele. Die beschriebenen Fälle und Methoden sind deutlich angestaubt, aber das geübte Auge (Lesebrille z.T. erforderlich) wird auch mit den sternförmigen Mindmap-Vorläufern und Projektstrukturplänen etwas anfangen können. Geradezu witzig wirkt zum Abschluss das Fallbeispiel “Hochzeit des Geschäftsführers” und das dazugehörige Foto im 80er Jahre Charme.

Stil


Der Stil des Buches ist auf den ersten Blick etwas ungewohnt. Unter den Überschriften folgt meist ein erklärender, einleitender Satz, wiederum gefolgt von mehreren Anstrichen, in denen jeweils ein Gedanke zusammengefasst wird. Dass pro Anstrich zum Teil mehrere ausformulierte Sätze folgen und in anderen Kapiteln nur Stichpunkte und Fakten wirkt über das gesamte Buch etwas inkonsistent. Da es sich weniger um eine wissenschaftliche sondern mehr um eine praxisbezogene Arbeit handelt, gibt es Pluspunkte für Lesbarkeit und Verständlichkeit.

Fazit


Im Kontext des Branchenfokus auf Maschinen- und Anlagenbau und der Aktualität reicht es nur für eine zwei-Sterne-Wertung. Die theoretischen Grundlagen kann der interessierte Maschinenbauer in allerlei aktuelleren Lektüren nachlesen. Die Fallbeispiele / Fallstudien wirken zu altbacken und bringen wenig Wissenszuwachs. Positiv hervor zu heben sind die diversen Checklisten in den Anhängen der einzelnen Kapitel.


Link zu Google Books

Projektmanagement für den Mittelstand

Kurzbewertung:

Das Buch von Benjamin Jakob mit dem vielversprechenden Untertitel “Erfolgreiche Anlagenaufträge im Maschinenbau” ist im Jahr 2007 im VDM Verlag Dr. Müller erschienen. Mit knapp 100 Seiten gehört es zu den “Leichtgewichten” des Themas und vermittelt auch inhaltlich wenig Anwendbares. Der Stil des Buchs entspricht dem einer wissenschaftlichen Arbeit, wobei aus 70 Quellen über 500 Verweise abgeleitet werden, welche in Form von Fußzeilen den Inhalt um ein gefühltes Viertel reduzieren.

Inhaltlich ist das Werk in drei Hauptteile gegliedert.

Teil 1 beschäftigt sich mit der Definition von Begriffen wie “Mittelstand”, “KMU”, “Maschinenbau” und “Anlagenbau” und weist gegen Ende auf spezifische Probleme des Mittelstands im Bereich Projektmanagement hin.

Teil 2 umfasst die Auseinandersetzung mit verschiedenen Organisationsformen und die Definition von “Projekt” und “Projektmanagement” und beschreibt die einzelnen Projektphasen (Initialisierung, Konzeption, Definition, Entwicklung, Produktion sowie Projektende und Inbetriebnahme).

Der letzte Teil steht unter der Überschrift “Implementierung des Projektmanagements im mittelständischen Maschinenbau” und beschreibt Anforderungen an die Organisation (und das Personal) am Beispiel der favorisierten Matrix-Projektorganisation.

Fazit: Das Buch ist etwas für absolute Neueinsteiger im Themenbereich Projektmanagement und Maschinenbau. Es ist leicht verständlich geschrieben und lässt sich in kürzester Zeit durcharbeiten. Der Preis von 49,00 Euro ist m.M.n. deutlich zu hoch angesetzt.